Bava Batra 15

Kapitel 15

א אלו ת"ח ור"ל סבר לה כדדרש רבא (שיר השירים ח, י) אני חומה זו כנסת ישראל ושדי כמגדלות אלו בתי כנסיות ובתי מדרשות
1 das sind die Schriftgelehrten. Reš Laqiš aber hielt es mit folgender Auslegung Rabas: <i>Ich bin eine Mauer</i>, das ist die Gemeinschaft Jisraél; <i>und meine Brüste Türmen gleich</i>, das sind die Bet- und Lehrhäuser.
ב רב נחמן בר רב חסדא רמא כרגא ארבנן א"ל רב נחמן בר יצחק עברת אדאורייתא ואדנביאי ואדכתובי
2 R. Ḥanan b. R. Ḥisda belegte einst die Gelehrten mit der Kopfsteuer; da sprach R. Naḥman b. Jiçḥaq zu ihm: Du hast übertreten die Tora, die Propheten und die Hagiographen.
ג אדאורייתא דכתיב (דברים לג, ג) אף חובב עמים כל קדושיו בידך אמר משה לפני הקב"ה רבונו של עולם אפילו בשעה שאתה מחבב עמים כל קדושיו יהיו בידך והם תכו לרגלך תני רב יוסף אלו תלמידי חכמים שמכתתים רגליהם מעיר לעיר וממדינה למדינה ללמוד תורה ישא מדברותיך לישא וליתן בדבורותיו של מקום
3 Die Tora, denn es heißt:<i>auch liebte er die Völker, all seine Heiligen in deiner Hand</i>. Moše sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, auch zur Zeit, wenn du die Völker liebest, mögen all seine Heiligen in deiner Hand sein.<i>Und sie zertrümmerten zu deinen Füßen</i>. R. Joseph lehrte: Das sind die Schriftgelehrten, die von Stadt zu Stadt und von Land zu Land wandernd ihre Füße zertrümmern, um die Tora zu lernen;<i>erheben deine Worte</i>, um über die Worte Gottes zu verhandeln.
ד אדנביאי דכתיב (הושע ח, י) גם כי יתנו בגוים עתה אקבצם ויחלו מעט ממשא מלך ושרים אמר עולא פסוק זה בלשון ארמית נאמר אי תנו כולהו עתה אקבצם ואם מעט מהם יחלו ממשא מלך ושרים
4 Die Propheten, denn es heißt: <i>auch wenn sie unter den Völkern lernen</i>, <i>nun will ich sie sammeln; sie werden sich ein wenig erholen von der Last der Könige und Fürsten</i>. Hierzu sagte U͑la: Dieser Schriftvers ist aramäisch abgefaßt; lernen sie alle, so will ich sie sofort sammeln, wenn aber nur wenige von ihnen, so werden sie sich erholen von der Last der Könige und Fürsten.
ה אדכתובי דכתיב (עזרא ז, כד) מנדה בלו והלך לא שליט למרמא עליהם ואמר רב יהודה מנדה זו מנת המלך בלו זו כסף גולגלתא והלך זו ארנונא
5 Die Hagiographen, denn es heißt:<i>Tribut, Steuer und Wegegeld ihnen aufzuerlegen, soll niemand berechtigt sein</i>. R. Jehuda sagte: Tribut, das sind die Abgaben für den König, Steuer, das ist die Kopfsteuer, Wegegeld, das sind die Naturalabgaben.
ו רב פפא רמא כריא חדתא איתמי א"ל רב שישא בריה דרב אידי לרב פפא ודילמא לא מידויל אמר ליה מישקל שקילנא מנייהו אי מידויל מידויל ואי לא מהדרנא לה ניהלייהו
6 R. Papa belegte einst Waisen mit einem Beitrage zu einem neuen Brunnen; da sprach R. Šiša, Sohn des R. Idi, zu R. Papa: Vielleicht wird nichts zu schöpfen sein? Dieser erwiderte: Zunächst nehme ich von ihnen; wird zu schöpfen sein, so ist es recht, wenn aber nicht, so gebe ich es ihnen zurück.
ז אמר רב יהודה הכל לאגלי גפא אפילו מיתמי אבל רבנן לא צריכי נטירותא הכל לכריא פתיא אפילו מרבנן ולא אמרן אלא דלא נפקי באכלוזא אבל נפקי באכלוזא רבנן לאו בני מיפק באכלוזא נינהו:
7 R. Jehuda sagte: Jeder wird [zum Beitrage] für die Stadttore herangezogen, selbst Waisen; die Gelehrten aber brauchen keine Bewachung. Jeder wird zum Brunnengraben herangezogen, selbst die Gelehrten; dies jedoch nur wenn keine Massen ausziehen, nicht aber, wenn Massen ausziehen, weil die Gelehrten nicht mit den Massen mitzugehen brauchen.
ח רבי פתח אוצרות בשני בצורת אמר יכנסו בעלי מקרא בעלי משנה בעלי גמרא בעלי הלכה בעלי הגדה אבל עמי הארץ אל יכנסו דחק רבי יונתן בן עמרם ונכנס אמר לו רבי פרנסני אמר לו בני קרית אמר לו לאו שנית אמר לו לאו אם כן במה אפרנסך [אמר לו] פרנסני ככלב וכעורב פרנסיה
8 Rabbi öffnete seine Speicher in den Jahren der Hungersnot und sprach: Mögen Schrift-, Mišna-, Talmud-, Halakha- und Agadakundige eintreten, Leute aus dem gemeinen Volke aber sollen nicht eintreten. Da drängte sich R. Jonathan b. A͑mram vor und trat ein, indem er zu ihm sprach: Meister, speise mich. Jener fragte: Hast du die Schrift gelesen? – Nein. – Hast du die Mišna gelernt? – Nein. – Wenn dem so ist, woraufhin soll ich dich speisen!? – Speise mich wie einen Hund oder wie einen Raben.
ט בתר דנפק יתיב רבי וקא מצטער ואמר אוי לי שנתתי פתי לעם הארץ אמר לפניו ר' שמעון בר רבי שמא יונתן בן עמרם תלמידך הוא שאינו רוצה ליהנות מכבוד תורה מימיו בדקו ואשכח אמר רבי יכנסו הכל
9 Als er fort war, saß Rabbi und grämte sich, indem er sprach: Wehe mir, daß ich mein Brot einem Menschen aus dem gemeinen Volke verabreicht habe! Da sprach R. Šimo͑n b. Rabbi zu ihm: Vielleicht ist es dein Schüler Jonathan b. A͑mram, der von der Ehre der Tora nicht genießen will? Hierauf untersuchten sie und es stellte sich heraus. Alsdann sprach Rabbi: Mag jeder eintreten.
י רבי לטעמיה דאמר רבי אין פורענות בא לעולם אלא בשביל עמי הארץ כההוא דמי כלילא דשדו אטבריא אתו לקמיה דרבי ואמרו ליה ליתבו רבנן בהדן אמר להו לא אמרו ליה ערוקינן [אמר להו] ערוקו ערקו פלגיהון דליוה פלגא
10 Rabbi vertrat hierbei seine Ansicht, denn Rabbi sagte: Ein Strafgericht kommt über die Welt nur wegen der Leute aus dem gemeinen Volke. So wurde einst der Stadt Tiberjas das Geld zu einer Krone auferlegt. Als darauf [die Einwohner] zu Rabbi kamen und verlangten, daß auch die Gelehrten beitragen sollen, erwiderte er ihnen: Nein. Jene sprachen: So laufen wir fort. – Lauft. Als dann die Hälfte von ihnen fortgelaufen war, wurde es der anderen Hälfte auferlegt.
יא אתו הנהו פלגא קמי דרבי א"ל ליתבו רבנן בהדן אמר להו לא ערוקינן ערוקו ערקו כולהו פש ההוא כובס שדיוה אכובס ערק כובס פקע כלילא א"ר ראיתם שאין פורענות בא לעולם אלא בשביל עמי הארץ:
11 Hierauf kam die andere Hälfte zu Rabbi und verlangte von ihm, daß die Gelehrten beitragen sollen; er aber erwiderte ihnen: Nein. – So laufen wir fort. – Lauft. Da lief auch die andere Hälfte fort und nur ein Wäscher blieb zurück. Als man es dann dem Wäscher auferlegte und auch er fortlief, wurde [das Geld für] die Krone erlassen. Darauf sprach Rabbi: Ihr seht nun, daß ein Strafgericht über die Welt nur wegen der Leute aus dem gemeinen Volke kommt.
יב וכמה יהא בעיר ויהא כאנשי העיר וכו': ורמינהי החמרת והגמלת העוברת ממקום למקום ולנה בתוכה והודחה עמהן הן בסקילה וממונן פלט
12 W<small>IE LANGE MUSS MAN IN DER</small> S<small>TADT GEWOHNT HABEN</small>, <small>UM DEN</small> B<small>ÜRGERN DER</small> S<small>TADT ZU GLEICHEN</small> &amp;<small>C</small>. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn eine von Ort zu Ort ziehende Karawane Eseltreiber oder Kamelführer daübernachtet hat und mit abtrünnig geworden ist, so werden sie durch Steinigung hingerichtet und ihr Vermögen wird gerettet;
יג ואם נשתהו שם שלשים יום הן בסייף וממונן אבד
13 wenn sie da dreißig Tage verweilt haben, so werden sie durch das Schwert hingerichtet und ihr Vermögen wird vernichtet!?
יד אמר רבא לא קשיא הא לבני מתא הא ליתובי מתא כדתניא המודר הנאה מאנשי העיר כל שנשתהא שם שנים עשר חדש אסור ליהנות ממנו פחות מכאן מותר מיושבי העיר כל שנשתהא שם שלשים יום אסור ליהנות ממנו פחות מכאן מותר ליהנות ממנו
14 Raba erwiderte: Das ist kein Widerspruch; eines gilt von der Stadtbürgerschaft und eines gilt von der Stadteinwohnerschaft. Es wird auch gelehrt: Wer sich den Genuß von den Bürgern der Stadt abgelobt hat, darf von einem, der da zwölf Monate wohnt, nichts genießen, wenn weniger, so darf er von ihm wohl genießen; wenn von den Einwohnern der Stadt, so darf er von einem, der da dreißig Tage wohnt, nichts genießen, wenn weniger, so darf er von ihm wohl genießen. –
טו ולכל מילי מי בעינן י"ב חדש והתניא שלשים יום לתמחוי שלשה חדשים לקופה ששה לכסות תשעה לקבורה שנים עשר לפסי העיר אמר ר' אסי אמר ר' יוחנן כי תנן נמי מתניתין שנים עשר חדש לפסי העיר תנן:
15 Sind denn in jeder Hinsicht zwölf Monate erforderlich, es wird ja gelehrt: Dreißig Tage hinsichtlich des Armenkessels, drei Monate hinsichtlich der Almosenkasse, sechs hinsichtlich der [Armen]bekleidung, neun hinsichtlich des Begräbnisses und zwölf hinsichtlich der Stadtpfähle!? R. Asi erwiderte im Namen R. Joḥanans: Die Lehre unserer Mišna, daß zwölf Monate erforderlich sind, spricht eben von den Stadtpfählen.
טז וא"ר אסי אמר ר' יוחנן הכל לפסי העיר ואפי' מיתמי אבל רבנן לא דרבנן לא צריכי נטירותא אמר רב פפא לשורא ולפרשאה ולטרזינא אפילו מיתמי אבל רבנן לא צריכי נטירותא כללא דמילתא כל מילתא דאית להו הנאה מיניה אפילו מיתמי
16 R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Von jedem wird ein Beitrag zu den Stadtpfählen erhoben, selbst von Waisen; von den Gelehrten aber nicht, denn die Gelehrten brauchen keine Bewachung. R. Papa sagte: Für die Stadtmauer, den Reiter und den Waffenhüter müssen auch Waisen beitragen. Die Regel hierbei ist: für jede Sache, von der sie einen Nutzen haben, müssen auch Waisen beitragen.
יז רבה רמא צדקה איתמי דבי בר מריון א"ל אביי והתני רב שמואל בר יהודה אין פוסקין צדקה על היתומים אפילו לפדיון שבוים אמר ליה אנא לאחשובינהו קא עבידנא
17 Raba belegte die Waisen des Bar Marjon mit einem Almosenbeitrage, da sprach Abajje zu ihm: R. Šemuél b. Jehuda lehrte ja, man belege Waisen nicht mit einem Almosenbeitrage, nicht einmal zur Gefangenenauslösung!? Dieser erwiderte: Ich tue dies zu ihrer Ehrung.
יח איפרא הורמיז אימיה דשבור מלכא שדרה ארנקא דדינרי לקמיה דרב יוסף אמרה ליהוי למצוה רבה יתיב רב יוסף וקא מעיין בה מאי מצוה רבה א"ל אביי מדתני רב שמואל בר יהודה אין פוסקין צדקה על היתומים אפילו לפדיון שבוים שמע מינה
18 Einst sandte Iphra Hormez, die Mutter des Königs Sapor, einen Beutel Denare zu R. Joseph, mit dem Auftrage, es solle zu einem besonders guten Werke verwandt werden. Da saß R. Joseph und dachte darüber nach, was wohl ein besonders gutes Werk sei. Hierauf sprach Abajje zu ihm: R. Šemuél b. Jehuda lehrte, man belege Waisen nicht mit Almosenbeiträgen, nicht einmal zur Gefangenenauslösung;